Wenn ein Kind erzählt, was gestern passiert ist, reicht oft das Präteritum oder Perfekt. Schwieriger wird es, sobald eine Handlung noch früher stattgefunden hat. Genau dafür braucht man die 2. Vergangenheit, also das Plusquamperfekt. Ich zeige, wie diese Zeitform im Deutschen gebildet wird, wann sie gebraucht wird und wie sie sich vom englischen Past Perfect unterscheidet.
Die Vorvergangenheit ordnet zwei vergangene Ereignisse klar
- Funktion: Das Plusquamperfekt beschreibt eine Handlung, die vor einer anderen vergangenen Handlung passiert ist.
- Bildung: Präteritum von haben oder sein plus Partizip II.
- Beispiel: „Nachdem ich gegessen hatte, ging ich spazieren.“
- Signalwörter: Besonders häufig helfen „nachdem“, „bevor“, „als“ und „schon“.
- Englisch: Das deutsche Plusquamperfekt entspricht meist dem Past Perfect.

Was die 2. Vergangenheit im Deutschen ausdrückt
Die Bezeichnung ist in Schulmaterialien nicht überall gleich. In diesem Beitrag steht die 2. Vergangenheit für das Plusquamperfekt, also die Vorvergangenheit. Damit markiert man ein Ereignis, das bereits abgeschlossen war, bevor ein anderes Ereignis in der Vergangenheit eintrat.
Ein einfacher Zeitstrahl hilft beim Verständnis. Zuerst hatte Anna ihre Hausaufgaben gemacht, danach sah sie einen Film. Der Satz lautet deshalb: „Anna hatte ihre Hausaufgaben gemacht, bevor sie einen Film sah.“ „Hatte gemacht“ liegt zeitlich weiter zurück als „sah“.
Ich erkläre Kindern diese Zeitform gern mit der Frage „Was war vorher schon passiert?“. Diese Frage macht den entscheidenden Unterschied sichtbar und verhindert, dass lediglich zwei beliebige Vergangenheitsformen nebeneinanderstehen.
So wird das Plusquamperfekt gebildet
Die Bildung besteht aus zwei Teilen. Das Hilfsverb haben oder sein steht im Präteritum, während das Vollverb als Partizip II erscheint. In einem Hauptsatz steht das Partizip meistens am Ende.
| Person | haben | sein |
|---|---|---|
| ich | hatte | war |
| du | hattest | warst |
| er, sie, es | hatte | war |
| wir | hatten | waren |
| ihr | hattet | wart |
| sie, Sie | hatten | waren |
Mit „lernen“ heißt es zum Beispiel: „Ich hatte gelernt.“ Bei einem Verb mit „sein“ lautet der Satz etwa: „Wir waren nach Hause gegangen.“ Die Wahl des Hilfsverbs folgt grundsätzlich denselben Regeln wie beim Perfekt.
Wann steht „haben“, wann „sein“?
Die meisten Verben bilden das Plusquamperfekt mit „haben“. Dazu gehören Tätigkeiten wie „lesen“, „schreiben“, „essen“ oder „besuchen“. Verben der Bewegung oder einer Zustandsveränderung verwenden häufig „sein“, zum Beispiel „gehen“, „kommen“, „einschlafen“ oder „aufstehen“.
- „Sie hatte das Buch gelesen.“
- „Der Zug war abgefahren.“
- „Das Kind war eingeschlafen.“
- „Wir hatten den Kuchen gebacken.“
Ganz auswendig muss man nicht jede Einzelfallregel lernen. Ich rate dazu, zuerst zu prüfen, welches Hilfsverb im Perfekt richtig wäre. Aus „Sie ist gegangen“ wird im Plusquamperfekt „Sie war gegangen“, aus „Sie hat gelernt“ wird „Sie hatte gelernt“.
Wann man die Vorvergangenheit wirklich braucht
Das Plusquamperfekt ist besonders nützlich, wenn ein Satz oder eine Erzählung zwei Ereignisse in der Vergangenheit miteinander verknüpft. Ohne diese Zeitform kann unklar bleiben, was zuerst geschehen ist.
Handlungen mit „nachdem“
Nach „nachdem“ steht häufig das Plusquamperfekt, wenn die frühere Handlung deutlich markiert werden soll. Die spätere Handlung steht meist im Präteritum oder Perfekt.
„Nachdem Mia ihre Tasche gepackt hatte, verließ sie das Haus.“ Erst wurde die Tasche gepackt, dann ging Mia hinaus. Die Zeitform liefert hier eine klare Reihenfolge, auch wenn beide Handlungen im Satz genannt werden.
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Handlungen mit „bevor“ und „als“
Auch bei „bevor“ und „als“ kann die Vorvergangenheit sinnvoll sein. Besonders bei längeren Erzählungen hilft sie dem Leser, zeitlich zurückliegende Ereignisse schnell zu erkennen.
- „Bevor der Unterricht begann, hatte Jonas sein Heft gesucht.“
- „Als ich ankam, war der Bus schon abgefahren.“
- „Sie war müde, weil sie in der Nacht schlecht geschlafen hatte.“
Ein Signalwort allein entscheidet aber nicht automatisch über die Zeitform. Entscheidend bleibt die zeitliche Beziehung. Wenn eine Handlung nicht vor einer anderen vergangenen Handlung liegt, braucht man nicht künstlich das Plusquamperfekt einzusetzen.
Plusquamperfekt und Past Perfect im Vergleich
Im Englischen entspricht das Plusquamperfekt meistens dem Past Perfect. Die Grundidee ist gleich: Eine Handlung war abgeschlossen, bevor ein weiterer Zeitpunkt in der Vergangenheit erreicht wurde.
| Deutsch | Englisch |
|---|---|
| Ich hatte gegessen, bevor ich losging. | I had eaten before I left. |
| Sie war gegangen, als ich ankam. | She had left when I arrived. |
| Wir hatten den Film schon gesehen. | We had already seen the film. |
Der wichtigste Unterschied liegt in der Bildung. Im Deutschen muss man zwischen haben und sein unterscheiden. Im Englischen steht beim Past Perfect für alle Personen das Hilfsverb had plus past participle.
„I had worked“, „you had worked“ und „they had worked“ bleiben beim Hilfsverb gleich. Diese Regel macht das englische System an dieser Stelle oft übersichtlicher. Trotzdem darf man nicht einfach jedes deutsche „hatte“ mit „had“ übersetzen, ohne auf das Partizip und die Satzbedeutung zu achten.
Typische Fehler und ein einfacher Lernweg
Der häufigste Fehler ist eine falsche Reihenfolge der Zeitformen. Lernende schreiben etwa: „Nachdem ich gegessen habe, ging ich spazieren“, obwohl sie eine abgeschlossene Handlung vor einem vergangenen Ereignis ausdrücken möchten. In einer Erzählung mit konsequenter Vergangenheit ist „Nachdem ich gegessen hatte, ging ich spazieren“ meist die passendere Form.
Ein zweiter Stolperstein ist das Partizip II. Bei regelmäßigen Verben endet es oft auf „-t“, bei vielen unregelmäßigen Verben muss man die Form lernen: „gehen, ging, ist gegangen“, „sehen, sah, hat gesehen“, „schreiben, schrieb, hat geschrieben“.
Zum Üben empfehle ich eine kurze Drei-Schritt-Methode:
- Markiere in einem Satz die beiden vergangenen Handlungen.
- Bestimme, was zuerst passiert ist.
- Bilde nur die frühere Handlung im Plusquamperfekt.
Aus „Lena machte die Tür auf. Sie hatte den Schlüssel gefunden“ wird zum Beispiel: „Lena machte die Tür auf, nachdem sie den Schlüssel gefunden hatte.“ So wird nicht nur die Form geübt, sondern auch ihre Funktion verstanden.
Für jüngere Schülerinnen und Schüler funktionieren Bildkarten oder ein gezeichneter Zeitstrahl oft besser als lange Grammatikregeln. Ich würde mit zwei Ereignissen beginnen und erst später Nebensätze, unregelmäßige Verben und englische Vergleichsbeispiele ergänzen. Das wirkt unspektakulär, bringt aber meistens schneller Sicherheit.
So bleibt die Zeitform beim Schreiben verständlich
Das Plusquamperfekt sollte gezielt eingesetzt werden, nicht in jedem Satz. Wenn die Reihenfolge durch „zuerst“ und „danach“ bereits eindeutig ist, genügt manchmal das Präteritum. In einer spannenden Geschichte sorgt die Vorvergangenheit dagegen dafür, dass Rückblicke und Vorgeschichte klar erkennbar bleiben.
Eine gute Kontrolle ist der Zeitstrahl. Schreibe die frühere Handlung links und die spätere rechts. Passt „hatte“ oder „war“ zur linken Handlung, ist die Grundentscheidung meist richtig. Danach prüfst du noch das Partizip II und die Satzstellung.
Merke dir am Ende vor allem dieses Muster: Früheres Ereignis im Plusquamperfekt, späteres Ereignis im Präteritum oder Perfekt. Wer diese zeitliche Ordnung erkennt, hat den schwierigsten Schritt bereits geschafft.
